Klippenkloster in Thessalien

Klippenkloster in Thessalien

Da das Dunkel abrann in weite Mulden,
versickernd durch Buschwerk und Schilf in Sümpfe, traten hervor in klaren Tag
die Felsen von Kalabaka, wie riesige Pfähle, daran die Unsichtbaren ihre Himmelsschiffe vertäuen.
Hängende Leitern erklomm ich
zum Kloster empor, das auf dem Gipfel wuchs, Kristall der Toten, umwittert von Angst
Durchs Fenster eindringend in das Refektorium:
Da saßen an den Speisetischen,
erstart beim ewigen Abendmahl,
Mönche, Mumien von Mönchen ,
in ihre Kutten eingeschnürt,
mit kleinen Stöcken im Genick,
die ihren Leibern Haltung gaben.
Was Auge war, lag in des kleinen Schädels Höhle, ein Klümpchen, grau verwittert,
und wüst vom Haar der Braunen überwachsen.
Der Abt mit Mitra und Stab
Steif angebunden seinen Thron,
des´ Lehne reich beschnitzt, ihn überragte mit goldenem Lamm und rotbemaltem Herz.
Ich schritt mit mürben Knien,
und hinter mir das Licht erfüllte
unsicher tastend das Geviert des Saals,
aufhellend nach und nach mit Abendstrahlen die bunten Heiligen auf weißgekalktem Grund.
Und funkelnd, glimmernd, sprühend
Das Kettenkreuz des Abtes
Schlug mich in frommen Bann.

 

Werner Helwig

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