Rebetiko von Elias Petropoulos

 

 

Rebetiko von Elias Petropoulos

 

 

Bei Jokers, nach eigenen Angaben Spezialist für Restauflagen und Sonderausgaben, wird ein Buch mit CD mit oben genanntem Titel angeboten. Im Begleittext heißt es: Die Musik der städtischen Subkultur Griechenlands entstand in den Elendsvierteln rund um Athen und wird auch als griechischer Blues bezeichnet. Fundiert beschreibt der Ethnograf Petropoulos das soziale Milieu und den Alltag der Rebetes: ihre Herkunft, ihr libertäres Ganovenethos uns ihr Infragestellen der bürgerlichen Normen. Mit einer Beschreibung der wichtigsten Rebetiko-Tänze und -Rhythmen sowie Porträts der bedeutendsten Musiker und Sängerinnen. Die CD enthält neben bekannten Stücken auch seltene historische Einspielungen.Das Buch (148 Seiten) mit der beiliegenden CD ist im Palmyra-Verlag erschienen (ISBN 3-930378-46-9) und bei Jokers für 5,95 ? zu beziehen.

Adresse: Jokers restseller, 86122 Augsburg

 

Günter Schmidt


Diesen Artikel finden Sie unter folgendem Link in deutscher und griechischer Ausführung
(PDF-Dokument – 99 KB – Eine Seite)

Rebetiko von Elias Petropoulos

Traum aus Stein und Federn

 

Traum aus Stein und Federn

 

Die Osterferien waren dieses Mal so kurz, dass An- und Abreise (per Auto!) die Hälfte der zur Verfügung stehenden Zeit in Anspruch nahm. Aber ihr, die ihr diese Zeitschrift lest, wisst natürlich, dass sich das trotzdem lohnt!

Dieses Mal verstrich aber auch die sonst ungeliebte Zeit auf der Fähre wie im Flug – und das lag an einem Buch, das mich Zeit und Ort vergessen ließ.

Der deutsche Titel ist nichts sagend, im englischen Original heißt es passender “Vögel ohne Flügel”. Wir werden auf eine Zeitreise mitgenommen: der Autor führt uns genau einhundert Jahre zurück in ein friedvolles Dorf irgendwo im Südwesten der heutigen Türkei.

Die Bewohner sind verschiedenen Glaubens, es gibt neben den Muslimen und Christen auch Juden, Kurden und Armenier, selbst der “völlig gottlose” Bettler findet sein Auskommen.

Wir werden Zeuge ihres Zusammenlebens, erleben den Beginn einer romantischen Liebesbeziehung, die sich parallel zu den dramatischen Geschehnissen entwickelt, die sich über zwanzig Jahre hinziehen: Die Gräuel in Thrakien, den ersten Weltkrieg, die Rollen und Interessen der vor Ort beteiligten Staaten.

Schließlich lernt auch der in der örtlichen Geschichte nicht so bewanderte deutsche Leser (und vielleicht auch mancher griechische Leser, der bislang die Geschichte eher aus nationaler Sicht betrachtet hatte?) die Rolle des Mannes kennen, dessen Namen der neue Flughafen Athens trägt.

Dann wieder Krieg, diesmal zwischen Griechenland und der Türkei, mit der Folge des “Bevölkerungsaustausches” – siebzig Jahre später wird man dafür den Begriff “ethnische Säuberungen” erfinden.

Lebendige Geschichte, spannend erzählt aus menschlicher Sicht, nicht aus der die Wahrnehmung beeinträchtigenden nationalen Sicht einer beteiligten Partei (der englische Autor lässt auch die Engländer nicht gut aussehen!). Die drastischen Beschreibungen der von allen Seiten begangenen Gräuel macht dieses Buch (auch) zu einem Anti-Kriegs-Buch.

Daneben werden bei “uns Kennern” durch die farbigen Schilderungen des damaligen Alltags und der örtlichen Genüsse Erinnerungen wach, die eine Brücke zu den handelnden Personen bildet: wenn Raki oder “zweimal aufgeschäumter Kaffee” getrunken wird, spielen weder die hundert Jahre, die uns trennen eine Rolle, noch der Glaube oder die Nationalität.

Die IRISH TIMES schrieb:

“Ein überwältigender, poetischer Roman über die wichtigen Dinge des Lebens: Liebe, Tod, Ehre, Scheitern und Schuld. Großartig geschrieben, in jeder Hinsicht hervorragend.”

Dem schließe ich mich an!

Louis de Bernière

“Traum aus Stein und Federn”

S. Fischer Verlag, 669 Seiten

19,90 €, ISBN 3-10-007125-5

Henning Meier

 

Wanderer, kommst Du nach Hellas …

 

Wanderer, kommst Du nach Hellas …

 

Der Besuch einer Buchhandlung oder der Blick in das Verzeichnis eines Internet-Buchhändlers bringen dem planenden Reisenden die Qual der Wahl. Mit einer Vielzahl von verschiedensten Reiseführern kann man sich heute auf eine Reise nach Griechenland vorbereiten. Neben den klassischen Kulturreiseführern haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten auch eine Reihe sehr guter Reiseführer für Individualtouristen durchgesetzt, die insbesondere durch ihre lebenswirklichen Tipps und Hilfestellungen glänzen.

Leseprobe: (Seite 99)

… Wenn Ihr Fahrzeug in Griechenland einen Schaden hat, so ist das keine Katastrophe. Wir sind sogar immer sehr froh, wenn es dort und nicht in Deutschland passiert, weil die Reparatur

viel billiger ist und in kleinen Werkstätten, ohne langwierige Voranmeldung meist am selben Tag in Angriff genommen wird?Ein andermal, als es ebenfalls um die Kühlung ging, fand der Mechaniker nach zweistündiger Suche als Schuldigen ein nicht mehr voll bewegliches Metallteilchen, das aber in einem Kästchen eingeschweißt war. Es war am Samstagvormittag. Ersatzteile wären erst am Montag zu bekommen gewesen. Also löst er behutsam die Schweißnaht, reinigte das korrodierte Teilchen und schweißte das Kästchen wieder zu. Das ist einige Jahre her, und wir hatten seitdem keine Probleme mehr mit der Kühlung …

Der jetzt im EOS-Verlag erschienene Reiseführer ?Wanderer kommst Du nach Hellas?? von Wendula Michl passt aber ganz und gar nicht in diese herkömmlichen Zuordnungen. Wendula Michl hat ein Buch verfasst, das alle diese bekannten Wege verlässt.

Wer nach einem flüchtigen Blick auf den Buchtitel nun glaubt, es läge ein Wanderführer für Griechenland vor, der irrt sich sehr. Und dies obwohl die Autorin sehr wohl einen Spaziergang mit ihrem Buch anbietet. Einen Spaziergang allerdings, bei dem uns griechische Lebensart und Mentalität, Sitten und Gebräuche, Stärken und Schwächen, Eigenarten und Ungewohntes gezeigt werden.

Wendula Michl hat dabei nicht die Brille der distanzierten Beobachterin auf. Sie liebt und kennt Griechenland spürbar und schreibt daher aus dem Blickwinkel einer sympathisierenden Nähe. Und wer anfällig für diesen ?griechischen Virus? ist, der wird von diesem Buch unweigerlich gefangen werden.

Mit der Erfahrungen einer jahrzehntelangen Kennerin von Land und Leuten zieht uns die Autorin in ein Geflecht von Beschreibungen, Anecktoden, kleinen liebenswerten Geschichten, die sich mit Tipps und Ratschlägen verbinden. Dies alles liest sich aber nicht wie ein klassischer Reiseführer sondern schon mehr wie ein Roman, den man gar nicht wieder aus der Hand legen möchte, bevor man ihn gänzlich verschlungen hat.

Leseprobe: (Seite 35)

… Etwas was uns nördlicheren Europäern sofort auffällt, ist das laute Sprechen, vor allem am Telefon, aber auch sonst. Oft meint man, dass da Leute sich fürchterlich streiten, aber es ist nur eine ganz normale Unterhaltung?Ebenso unempfindlich sind die meisten Griechen gegen Gerüche, seien es nun die Gerüche aus der Tavernenküche unter dem angemieteten Zimmer oder Autoabgase. Wenn sich also ein Auto mit laufendem Motor direkt vor den Tisch stellt, wo sie gerade essen, so ist das keine menschenverachtende Rücksichtslosigkeit, weil es demjenigen, wäre er an ihrem Platz, überhaupt nichts ausmachen würde. Wenn Sie ihn freundlich bitten, den Motor abzustellen und vielleicht vorher noch das Auto etwas weiter zu fahren, weil es ihnen die Aussicht verstellt, so wird er das sicher tun und sich vielleicht sogar entschuldigen, aber verstehen wird er ihren Wunsch nicht …

Und obwohl die Autorin mir erzählte, dass sie anfänglich beim Schreiben dieses Buches mehr an einen Ratgeber für Reisende gedacht hat, die erstmalig Griechenland individuell kennen lernen, ist es gleichzeitig doch auch ein Buch für ?Griechenland-Profis? geworden. Viele eigene Erlebnisse und Eindrücke werden beim Lesen wieder wach. Aber auch eine Reflektion und ein Vergleich mit Einschätzungen und Meinungen der Autorin werden angeregt. Hat sie da denn wirklich Recht? ? fragte ich mich an mancher Stelle des Buches nachdenklich und kramte in meinem eigenen Erfahrungsschatz. Allerdings würde ich dies Buch auch unseren deutschsprachigen griechischen Freunden empfehlen. Dieser Blick einer deutschen Freundin auf Land und Leute hat sicherlich auch für Griechen einen hohen Unterhaltungswert.

Die Frage, ob das 220 Seiten starke Taschenbuch nun besser vor dem Urlaub oder im Urlaub in Griechenland selbst gelesen werden sollte, lässt sich von mir nicht eindeutig beantworten. Aber wahrscheinlich lohnt es sich das Buch mindestens zweimal zu lesen. Einmal an frischen Winter- und Frühlingstagen auf dem heimischen Sofa und dann erneut im Sommerurlaub mit einem griechischen Mocca in einem Strandcafé oder unter einem schattigen Olivenbaum. Bekömmlich dürfte beides sein.

 

Wendula Michl Wanderer, kommst Du nach Hellas …

Praktische Ratschläge für Individualtouristen in Griechenland mit einer Einführung in die griechische Mentalität

220 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, broschiert mit Fadenheftung

EOS-Verlag, D-86941 St. Ottilien

ISBN 3-8306-7168-7

12,80 Euro


Übersicht

Werner Helwig zum 100. Geburtstag

 

 

Werner Helwig zum 100. Geburtstag

 

 

Werner Helwig gehört nicht zu den berühmten, von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommenen Schriftstellern, war nie ein Bestsellerautor mit Riesenauflagen, aber ein Autor, der stets eine kleine treue Lesergemeinde besaß.
Er war Mitarbeiter vieler renommierter deutscher und schweizer Zeitungen und Zeitschriften und erfuhr Zeit seines Lebens anlässlich von Ehrungen, Geburtstagen, Buchpublikationen und anderem in den Medien würdigende Darstellungen.
Um an Werner Helwig zu erinnern, entstanden anlässlich seines 100. Geburtstages die Zeitung ?Der Widergänger? mit Texten aus seinen Werken und Stimmen von Zeitgenossen sowie ein Beiblatt mit einigen Informationen über Leben und Werk Werner Helwigs. Vieles, was Helwig hinterlassen hat, wäre lesens- und bedenkenswert, verdiente größere Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit.Am 14. Januar 2005, Helwigs 100. Geburtstag, wird in der Universitätsbibliothek Basel eine Ausstellung über Leben und Werk Werner Helwigs eröffnet. Vernissage: 18.15 Uhr. Die Ausstellung wird bis zum 23. April 2005 zu sehen sein. Weitere Veranstaltungen sind in Planung bzw. in Vorbereitung. Informationen darüber werden ab November 2004 im Internet abrufbar sein. Adresse auf unserer Homepage.

 

Ursula Prause
Den in Berlin geborenen Werner Helwig haben wir in einer unserer letzten Ausgabe vorgestellt. Er schrieb das Buch “Im Dickicht des Pelion”, aus dem wir zitieren durften. Helwig hielt sich in den dreißiger Jahren zu drei Griechenlandreisen vorwiegend im Pilion auf. Sein Buch “Raubfischer in Hellas” aus dem Jahre 1939 wurde verfilmt und erst kürzlich wieder im Fernsehen gezeigt. Er besuchte in Griechenland Alfons Hochhauser, Vorbild der Clemensgestalt in seinen Büchern, die im Pilion spielen. Er war u. a. Mitglied des deutschen PEN-Zentrums und des Verbandes der Deutschen Schriftsteller. 1981 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Er starb am 4. Februar 1985 und ist in Wormbach bei Schmallenberg im Sauerland begraben.

 

Günter Schmidt

Helike



 

Helike – das wahre Atlantis?

 


Helike liegt zwischen Diakofto und Egio – auf der Karte unten rechts
Helike, eine Stadt von mehr als 5.000 Menschen lag im Norden des Peloponnes, 2 km von der Küste entfernt, am Golf von Korinth, in der Nähe des heutigen Egio. Schutzgott der Stadt war Poseidon, der Tempel des Poseidon war das “heiligste Heiligtum der Ionier”. Poseidon, der Gott des Meeres und der Erdbeben, lies die Stadt untergehen, weil die Bürger Schutzsuchende vom Heiligtum ferngehalten und getötet hatten.

 

Im Winter 373 v. Chr. erschütterte ein schweres Erdbeben Helike und ließ sämtliche Gebäude zusammenfallen. Kurz darauf überschwemmte eine riesige Flutwelle die Stadt, sowie zehn Kriegschiffe aus Sparta, die im Hafen vor Anker lagen. Das Wasser der Flutwelle ging nicht zurück, sondern bildete für mehrere Jahrhunderte eine Art Lagune. So berichteten mehrere Geschichtsschreiber wie Pausanis und Ovid, dass die Ruinen von Helike noch zu ihrer Zeit (1./2. Jahrhundert n. Chr.) von der Wasseroberfläche aus zu sehen waren.

Seit 1991 gräbt ein griechisch-amerikanisches Forscherteam unter der Leitung von Steven Soter und Dora Katsonopoulou in der Ebene von Eliki.

Man begann mit mehreren 42 m tiefen Bohrungen und Untersuchungen mit dem Magnetometer, bis man den genauen Ort der versunkenen Stadt gefunden hatte. Von 2000 bis 2003 fand man schließlich die Überreste des 373 v. Chr. untergegangenen Helike und weitere Spuren von Besiedelung aus älterer Zeit bis ins 3. Jahrhundert v. Chr.. Bis heute sind die Ausgrabungen nicht abgeschlossen. 
Bronzemünze aus Helike mit dem Kopf des Poseidon und der Inschrift ELIK. Auf der Rückseite ein Dreizack, flankiert von zwei Delphinen (Staatliche Museen zu Berlin)

Dies sind die interessanten Auszüge aus einem Beitrag der BBC, der kürzlich im Fernsehen gezeigt wurde.

Christian Schmidt